Philine Niedhammer

PHILINE NIEDHAMMER
Grüne Jugend Berlin

Seite an Seite mit unseren Omas gegen Abtreibungsverbote

Wenn junge Menschen, die sich gerade politisieren, erfahren, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland nicht wirklich legal, sondern nur straffrei sind, sind sie oft total erstaunt und entsetzt.
Gerade wir jungen Frauen und Menschen mit Uterus können oft überhaupt nicht nachvollziehen, warum uns jetzt plötzlich das Recht genommen wird, über unseren eigenen Körper und unser weiteres Leben zu entscheiden.
Und je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigen, desto mehr unglaubliche Sachen erfahren wir über die Situation von ungewollt Schwangeren in Deutschland.
Die bevormundenden Beratungsgespräche bevor man einen Abbruch machen darf. Die verschiedenen Fristen, die einzuhalten sind. Der absurde Paragraf 219a, der „Werbung“ für Schwangerschaftsabbrüche verbietet und praktisch zu einem Informationsverbot für Ärzt*innen führt. Und dann auch noch die christlichen Fundamentalist*innen, die sich mit Rechtsextremen zusammenschließen und jedes Jahr auf die Straße gehen, um unsere Rechte noch mehr einzuschränken.
Das schockiert und macht wütend, aber diese Wut verwandeln wir in Energie für unseren politischen Protest.
Es kann deprimierend sein zu wissen, dass unser Kampf kein neuer Kampf ist, sondern Feminist*innen schon vor hundert Jahren für genau die gleichen Rechte gekämpft haben wie wir heute. Aber das bedeutet auch, dass es viel gibt, worauf wir unseren heutigen Protest aufbauen können. Wir müssen den Feminismus nicht neu erfinden, sondern können an alte Protestbewegungen anknüpfen und uns mit Feminist*innen verschiedener Generationen zusammenschließen. Im Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung machen wir genau das und kämpfen Seite an Seite mit Frauen, die auch unsere Omas sein könnten.
Diesen früheren Generationen von Feminist*innen, auch wenn sie schon lange nicht mehr leben, sind wir extrem dankbar für alles, was sie schon erreicht haben: Wir dürfen seit etwas mehr als hundert Jahren wählen und in dem Jahr, in dem ich geboren wurde, wurde endlich auch die Vergewaltigung in der Ehe strafbar.
Es gibt trotzdem noch viel zu erreichen und wir kämpfen dafür, dass spätere Generationen auch uns für Errungenschaften dankbar sein können. Besonders für die Abschaffung der Abtreibungsparagrafen 218 und 219a!